Donnerstag, 6. August 2015

Zusammenwachsen - zusammen wachsen

Eine Woche lang haben wir ausgepackt, sortiert, geschraubt, geräumt und fielen abends mit schweren Beinen erschöpft in die Betten.

Nun haben fast alle Dinge ihren Platz gefunden und wir suchen den unseren in der neuen Heimat.


Dem Herzbuben fällt es nicht schwer, er wurde hier geboren und wuchs in dieser Strasse auf.

Der Ferienmodus hilft, uns mit dem Ankommen nicht zu überfordern.

Die Zwischenwohnung ist ein großer Segen.

Wir haben sie vor dem Umzug entrümpelt, gemalert, Teppiche ausgebessert, gründlich gereinigt und geputzt, damit die Rüben es mögen und sich einrichten können.

Die große Terrasse und der Garten versüßen uns die verhältnismäßige Enge der Wohnung.

Er hat Platz genug für Federball, das heissgeliebte Kubb-Spiel und eine Partie Fußball.
Sie mögen es. Und wir auch.

Überhaupt sind die Rüben toll! Und wie sie sich verändert haben...

Mir fehlen ja 22 Monate alltäglicher Umgang mit ihnen.
Die wenigen Wochenenden und Ferienwochen der letzten 2 Jahre können das nicht aufwiegen.

Es fällt auf, wie sehr sie den vermissten Körperkontakt mit Mama aufholen möchten.

Eine Mama ist eine Mama!
Abends ist es am intensivsten. Als hätten sie Angst aufzuwachen und der vergangene Tag war nur ein Traum.

Wir reden darüber sehr offen. Und das ist wohl das Geheimnis unserer starken emotionalen Bindung auch über das Getrenntsein hinweg.

Von Beginn an waren zwischen ihnen und mir keine Geheimnisse.
Meine Gefühle, meine Entscheidungen, meine Träume.
So übten sie, selbst auch Gefühle und Träume zu formulieren, trauten sich Fragen zu stellen und lernten, dass  Kinder mit ihren kleinsten Sorgen bei Eltern immer offene Ohren finden dürfen.

Sie sind hilfsbereite, liebenswürdige Wesen, die ihren Weg gewiss machen werden und denen von uns noch viel Gutes vorgelebt werden kann, um sie weiterhin zu stärken.


Wir genießen die letzten terminfreien Tage der für uns leider nur halb so kurzen Sommerferien (3 1/2 statt 6 Wochen), denn am Mittwoch beginnt hier bereits wieder der Schulalltag.


Ausschlafen, spät frühstücken, zusammen kochen, spazieren gehen, Rad fahren, Eis essen, Freibad, Musik hören, Schulweg üben, ...


Drückt uns weiterhin die Daumen für einen guten Start in der neuen Schule, in getrennten Klassen, den Schulalltag, den Hausbau.





















Samstag, 18. Juli 2015

Verschiebungen


Unser Leben ist im Umbruch. Ab morgen ist nichts mehr wie es war.
Die Rüben fahren in ein Feriencamp und der Herzbube und ich ziehen ihr Leben aus Randberlin nach Ostwestfalen um.


Seit Tagen packen auch wir unser Leben zusammen. Eine Herausforderung.
Was lagern wir für ein paar Monate ein? Was brauchen wir ständig und nehmen es mit?
Wir renovieren die kleine Zwischenwohnung, in die wir vier nun zusammenziehen bis unser Haus einzugsbereit gebaut ist.


Ein Segen, dass wir sie gefunden haben. So nehmen wir einander - den Eltern und uns - die Angst, zu sechst im Elternhaus des Herzbuben zuviel Enge ertragen und zu viele Kompromisse schließen zu müssen. (Auch wenn es bestimmt gut gegangen wäre, das Haus ist groß genug.)

Wir müssen uns als neue Familie definieren lernen. Alltag bestehen und Regeln bestimmen.
Das geht leichter, wenn wir für uns sein dürfen. 


Mich lehrt das Leben seit der Entscheidung der Kinder vieles neu.
Mein Umgang mit der Vergangenheit, mein Blick auf die Zukunft, mein Empfinden im Jetzt.
Vor einem Jahr haben die Rüben mit ihrem Wunsch zu uns ziehen zu wollen, eine große Veränderung ausgelöst.
Nicht nur privat mit dem Entschluss ein Haus zu bauen und uns als neue Familie hier niederzulassen, sondern auch beruflich:

Mit der letzten großen Reise vor einigen Wochen nach Südamerika habe ich mein Leben aus dem Koffer beendet. Es ist genug.
Das unstete Dasein als Kulturschaffende hat sich extrem verändert und verlangt sehr viel mehr ab als ich inzwischen zu geben bereit bin.
Eine Verfügbarkeit, Flexibilität und Angepasstheit wird erwartet und im Gegenzug so wenig gewertschätzt, dass es mich immer öfter sprachlos zurücklässt.

Solange es traurigerweise Kollegen gibt, die diese Bedingungen mit stummer Selbstverständlichkeit erfüllen, wird sich die Schraube nach unten immer weiter drehen. Ich aber steige aus!


Mein Arbeitsleben strukturiert sich deshalb gerade komplett neu.
Es schenkt mir die Chance, Familie und geregelten Alltag leben zu dürfen. 

Neue Prioritäten - gerade noch rechtzeitig.
Die Rüben beginnen bald zu pubertieren. Die Vorboten sind nun nicht mehr einfach wegzuschmusen. 
Sie entdecken ihr eigenes Leben, behaupten ihre eigenen Interessen und befinden sich irgendwo auf der Strecke zwischen Einschlafen mit Kuscheldecke und eigenem Smartphone.


Ihr Abschied von Randberlin ist darum bedeutend schwerer als der vor 7 Jahren von Hamburg.
So gut ich kann, tröste ich und gebe positiven Zuspruch.
Großer Segen liegt auf unserem Binnenverhältnis. Wir drei haben uns trotz räumlicher Trennung nie verloren!

Dennoch leiden sie gerade sehr und ich belese mich mit Ratschlägen für diese Situation.
Es ist nicht leicht.


Drückt uns die Daumen, dass der Start hier gelingt.

Dienstag, 12. Mai 2015

Statt 12 von 12: Südamerika - eine Nachlese

Vier Wochen weg von zu Hause. Inzwischen merke ich, dass ich das nicht mehr "locker flockig" wegstecke wie noch vor 10 Jahren.
Das Packen geht mir leicht und professionell von der Hand.
Schließlich gab es schon Zeiten, in denen das ganze Jahr über der Koffer nie gänzlich ausgepackt im Schlafzimmer lag.

2 Wochen Südamerika, 1 Woche Stuttgart, 1 Woche Hamburg.

Wie schon vor 3 Jahren gab es die h-Moll-Messe im Gepäck. Dieses Mal zusätzlich auch noch den Messias.
Dafür hatten wir bei dieser Tournee einen ganzen freien Tag in Buenos Aires. Was ich da gemacht habe? Huiuiui...schaut selbst:
Von Frankfurt ging es los. Erste Station Brasilien.

Sao Paulo:







Rio de Janeiro:




Montevideo:




Mit der Fähre (lustiger Name Busquebus) von Montevideo in Uruguay nach Buenos Aires:


Buenos Aires:



                                                                                                            Copyright: H.Schneider

                                                                                                                                    Copyright: H.Schneider


Es ist das, wonach es aussieht! Ein Tattoo aus Buenos Aires. 
Ganz am Ende der Bilderflut lüfte ich es. :)



Unser Hotel "Panamericano" liegt an der größten (breitesten) Strasse der Welt.


"Liebevoll" angerichtet: vegetarisches Essen der LAN auf unserem Weg nach Lima in Peru.


Flug über die Anden.
(Und erneut bei diesem Blick auf die unwirtliche Landschaft denke ich 
an das Trompeterbuch aus meiner Kindheit: "Flucht über die Anden" von Jan Flieger...)



Letzte Station, meine Lieblingsstadt Lima:












Konzert im nigelnagelneuen Opernhaus von Lima. 

                                                                                                                                                                 Copyright: H. Schneider



Am nächsten Morgen ging es über Madrid und ziemlich viel Chaos und Jetlag zurück nach Frankfurt.

Und das ist das neue Tattoo:


Man kann viel darin sehen. 

Ein Kreuz.
Eine Frau.

Unendlichkeit.
Liebe.

Embrace Life.
Wahrheit.

Hoffnung.
Neuanfang.