Samstag, 18. Juli 2015

Verschiebungen


Unser Leben ist im Umbruch. Ab morgen ist nichts mehr wie es war.
Die Rüben fahren in ein Feriencamp und der Herzbube und ich ziehen ihr Leben aus Randberlin nach Ostwestfalen um.


Seit Tagen packen auch wir unser Leben zusammen. Eine Herausforderung.
Was lagern wir für ein paar Monate ein? Was brauchen wir ständig und nehmen es mit?
Wir renovieren die kleine Zwischenwohnung, in die wir vier nun zusammenziehen bis unser Haus einzugsbereit gebaut ist.


Ein Segen, dass wir sie gefunden haben. So nehmen wir einander - den Eltern und uns - die Angst, zu sechst im Elternhaus des Herzbuben zuviel Enge ertragen und zu viele Kompromisse schließen zu müssen. (Auch wenn es bestimmt gut gegangen wäre, das Haus ist groß genug.)

Wir müssen uns als neue Familie definieren lernen. Alltag bestehen und Regeln bestimmen.
Das geht leichter, wenn wir für uns sein dürfen. 


Mich lehrt das Leben seit der Entscheidung der Kinder vieles neu.
Mein Umgang mit der Vergangenheit, mein Blick auf die Zukunft, mein Empfinden im Jetzt.
Vor einem Jahr haben die Rüben mit ihrem Wunsch zu uns ziehen zu wollen, eine große Veränderung ausgelöst.
Nicht nur privat mit dem Entschluss ein Haus zu bauen und uns als neue Familie hier niederzulassen, sondern auch beruflich:

Mit der letzten großen Reise vor einigen Wochen nach Südamerika habe ich mein Leben aus dem Koffer beendet. Es ist genug.
Das unstete Dasein als Kulturschaffende hat sich extrem verändert und verlangt sehr viel mehr ab als ich inzwischen zu geben bereit bin.
Eine Verfügbarkeit, Flexibilität und Angepasstheit wird erwartet und im Gegenzug so wenig gewertschätzt, dass es mich immer öfter sprachlos zurücklässt.

Solange es traurigerweise Kollegen gibt, die diese Bedingungen mit stummer Selbstverständlichkeit erfüllen, wird sich die Schraube nach unten immer weiter drehen. Ich aber steige aus!


Mein Arbeitsleben strukturiert sich deshalb gerade komplett neu.
Es schenkt mir die Chance, Familie und geregelten Alltag leben zu dürfen. 

Neue Prioritäten - gerade noch rechtzeitig.
Die Rüben beginnen bald zu pubertieren. Die Vorboten sind nun nicht mehr einfach wegzuschmusen. 
Sie entdecken ihr eigenes Leben, behaupten ihre eigenen Interessen und befinden sich irgendwo auf der Strecke zwischen Einschlafen mit Kuscheldecke und eigenem Smartphone.


Ihr Abschied von Randberlin ist darum bedeutend schwerer als der vor 7 Jahren von Hamburg.
So gut ich kann, tröste ich und gebe positiven Zuspruch.
Großer Segen liegt auf unserem Binnenverhältnis. Wir drei haben uns trotz räumlicher Trennung nie verloren!

Dennoch leiden sie gerade sehr und ich belese mich mit Ratschlägen für diese Situation.
Es ist nicht leicht.


Drückt uns die Daumen, dass der Start hier gelingt.

Dienstag, 12. Mai 2015

Statt 12 von 12: Südamerika - eine Nachlese

Vier Wochen weg von zu Hause. Inzwischen merke ich, dass ich das nicht mehr "locker flockig" wegstecke wie noch vor 10 Jahren.
Das Packen geht mir leicht und professionell von der Hand.
Schließlich gab es schon Zeiten, in denen das ganze Jahr über der Koffer nie gänzlich ausgepackt im Schlafzimmer lag.

2 Wochen Südamerika, 1 Woche Stuttgart, 1 Woche Hamburg.

Wie schon vor 3 Jahren gab es die h-Moll-Messe im Gepäck. Dieses Mal zusätzlich auch noch den Messias.
Dafür hatten wir bei dieser Tournee einen ganzen freien Tag in Buenos Aires. Was ich da gemacht habe? Huiuiui...schaut selbst:
Von Frankfurt ging es los. Erste Station Brasilien.

Sao Paulo:







Rio de Janeiro:




Montevideo:




Mit der Fähre (lustiger Name Busquebus) von Montevideo in Uruguay nach Buenos Aires:


Buenos Aires:



                                                                                                            Copyright: H.Schneider

                                                                                                                                    Copyright: H.Schneider


Es ist das, wonach es aussieht! Ein Tattoo aus Buenos Aires. 
Ganz am Ende der Bilderflut lüfte ich es. :)



Unser Hotel "Panamericano" liegt an der größten (breitesten) Strasse der Welt.


"Liebevoll" angerichtet: vegetarisches Essen der LAN auf unserem Weg nach Lima in Peru.


Flug über die Anden.
(Und erneut bei diesem Blick auf die unwirtliche Landschaft denke ich 
an das Trompeterbuch aus meiner Kindheit: "Flucht über die Anden" von Jan Flieger...)



Letzte Station, meine Lieblingsstadt Lima:












Konzert im nigelnagelneuen Opernhaus von Lima. 

                                                                                                                                                                 Copyright: H. Schneider



Am nächsten Morgen ging es über Madrid und ziemlich viel Chaos und Jetlag zurück nach Frankfurt.

Und das ist das neue Tattoo:


Man kann viel darin sehen. 

Ein Kreuz.
Eine Frau.

Unendlichkeit.
Liebe.

Embrace Life.
Wahrheit.

Hoffnung.
Neuanfang.







Dienstag, 17. März 2015

Freundschaft




Echte Freundschaft ist:


Miteinander die schönsten und schwersten Momente des Lebens zu teilen.

Beistand und Trost zu sein und dafür nichts zu erwarten.

Mit Blumen überrascht zu werden.

Und nur noch Liebe zu fühlen.

DANKE!


Sonntag, 15. März 2015

Dieses Organisationsding

Irgendwann im letzten Jahr hat sich hierzulande ein erstaunliches Phänomen breitgemacht: Filofaxing. Kennst Du nicht? 

Filofax. Dieses Kalendersystem der Businesspeople aus den Neunzigern. Kurz bevor der PDA kam. (Einen witzigen Film gab es mit James Belushi damals auch.) 


Weil einschlägige Nord-Süd-Discounter und Kaffeeröster alle Frühling wieder buntes Bastelzeug im Sortiment haben, was frau auf Vorrat besser stets im Haus hat, kauft frau Trendfollower sich nun zum Ausleben des Klebefetisch und der Gestaltungssucht diese sündhaft teuren Planer


Neulich trat ich in eine der größten "Filo-Fangruppen" ein. 

Ich wollte verstehen, warum Menschen Kalender sammeln. Sammeln! 
Diese wirklich sehr teuren noch dazu. 

Und ich lernte: mit einem einzigen Kalender ist es nicht getan.

Frau braucht einen Kalender für die eigenen Termine. 
Einen Gartenbestellungsplaner, einen als Reisetagebuch, einen für die Termine der Kinder, einen für die Termine des Gatten und einen für das Hobby, noch einen für die Arbeit oder die Uni, einen nur für Rezepte, einen für den Haushalt (wann die Treppe gewischt werden muss, wann gestaubsaugt, you know?).

Je mehr verschiedene Kalender, desto Status. 




Es werden mit Aufklebern, sorry: "Sticky notes" (es gibt welche mit Wischeimer und Schrubber!) und Washitape dekorierte Wochenseiten gezeigt, bei denen ich mich frage, wohin da noch Eintragungen passen sollen.

Jede Woche bzw. jeder Monat wird thematisch individualisiert, Divider (Trennseiten zwischen den Kategorien eines Ringbuchsystemkalenders), Wochenkalendarien aufwändig gestaltet und ausgedruckt oder via Dropbox für andere zum Download bereitgestellt. 

Je detailverliebter, desto mehr Likes.




Sie heißen auch nicht einfach "Kalender". Sie heißen Gillio Amica und Midori Passport in brown oder Finsbury. Sie sind bunt oder pink oder gülden oder gar aus echtem Leder und kosten in vernünftiger Größe und Ausstattung nicht unter 80 Euro (online evtl. weniger).


Nunja.

Ich habe auch einen Ringbuch-Terminplaner. Gekauft 1994 bei Karstadt in Dessau für 39 D-Mark. 



Über 20 Jahre alt, abgegriffen und voller Geschichten. 

Er hat mich durch das gesamte Studium und meine erste Ehe begleitet. Alle Jahrgänge habe ich aufbewahrt und in manchen sentimentalen Minuten lese ich darin, was 1998 in meinem Leben so passiert ist. So ganz ohne bunt.

Ich habe ihm 2010 eine Hülle genäht und bestickt, ihn sehr geliebt und auch sehr gebraucht. 

Aber er verschaffte mir nie einen wirklich guten Überblick über das Jahr, die Woche oder den Monat. Notizen, die ich in einer anderen Kategorie machte, vergaß ich, wenn sie nicht direkt im Wochentag standen. Das totale Chaos und für mich nicht mehr passend.

Mit neuem Job und damit noch mehr Organisationsfaktoren und der Aussicht auf den kommenden Sommer mit allen Terminen und zusätzlichen To-Do's für die Rüben musste etwas her, was mir auf einer Seite mehr Überblick und richtig viel Platz für Notizen verschafft.

So zog ich neulich mit dem Herzbuben los und kaufte einen schlichten (und um 50% reduzierten, weil das Jahr doch schon längst angefangen hatte) Leuchtturm-Kalender A5 für 7 Euro.



Eine Woche, eine Seite. Rechts daneben eine ganze Seite blanko für alle zu erledigenden Dinge der Woche.


Sehr schlicht, extrem übersichtlich. 

So, wie es sich in meinen Augen auch am besten lebt.




Noch vor Jahren kreisten meine Gedanken unentwegt um die effektive Nutzung von Zeit. 

Wieviele Aufgaben kann ich im immer kleiner werdenden Zeitfenster erledigen?

Mehrere Jobs parallel, Beziehung, Kinder, Reisen, soziales Leben, Hobbies, Terminorganisation für 5 Personen.


Oft genug habe ich die Übersicht verloren, blieben Dinge liegen, Beziehungen auf der Strecke, das soziale Leben war bis auf ohnehin regelmäßige Begegnungen auf ein nie dagewesenes Minimum geschrumpft.


Inzwischen ist mein Leben deutlich entschlackt und hat eine andere Richtung genommen.

Die Prioritäten sind neu abgesteckt: Familie, Freunde, Beruf. In DER Reihenfolge.

Im Ausblick auf den anstehenden Umzug in das neue Haus habe ich auch auf anderen Ebenen angefangen umzudenken.


Während der letzten Monate habe ich bereits viel Zeug verkauft oder entsorgt: Bücher, Schmuck, Küchenutensilien, Schuhe (!!!!!!!), Handtaschen (!!!), Klamotten (Wer braucht 4 Wintermäntel???).

Es gibt noch etliches Potential und ich werde mich bis August von noch sehr viel mehr Dingen trennen.

In Sachen Kosmetik habe ich mir zum Beispiel zu Beginn des Jahres zur Regel gemacht, erst alles aufzubrauchen, ehe Neues gekauft wird. (Wer braucht 20 verschiedene Nagellacke???)


Vielleicht ist diese Filofax-Hype schon wieder der Gegentrend zu diesem Weniger-ist-mehr-Entschleunigungs-Lifestyle, der ja als Trend auch schnell wieder verpuffte?

Ich hätte da ja eine Idee:


Der Herzbube und ich nutzen gerne Post-its. Vor allem für kleine Nachrichten, wenn einer verreist und nicht vor dem anderen wieder nach Hause kommt.







Vielleicht können all diese bunten Tapes und Sticky notes, Aufkleber, bunten Papiere und  Post-its auch einen ganz anderen Zweck erfüllen als in Kalender verklebt zu werden?

Den Liebsten eine Nachricht hinterlassen zum Beispiel. 


Wann hast Du Deinem Mann zuletzt einen schönen Arbeitstag gewünscht? Oder eine gute Reise? Oder dem Kind viel Erfolg bei der Kurzkontrolle oder bei der Prüfung oder dem neuen Wochenbeginn?


Mit Liebe dürfen wir sooooooooo verschwenderisch sein! :) 


Morgen ist Montag. Eine super Gelegenheit. :)



PS: Übrigens ist DAS HIER eine ganz interessante Strategie.