Mittwoch, 5. Januar 2011




Ich mach ein Lied aus Stille 
Und aus Septemberlicht. 
Das Schweigen einer Grille 
Geht ein in mein Gedicht. 

Der See und die Libelle. 
Das Vogelbeerenrot. 
Die Arbeit einer Quelle. 
Der Herbstgeruch von Brot.

Der Bäume Tod und Träne. 
Der schwarze Rabenschrei. 
Der Orgelflug der Schwäne. 
Was es auch immer sei, 

Das über uns die Räume 
Aufreißt und riesig macht 
Und fällt in unsre Träume 
In einer finstren Nacht. 

Ich mach ein Lied aus Stille. 
Ich mach ein Lied aus Licht. 
So geh ich in den Winter. 
Und so vergeh ich nicht.

Eva Strittmatter, 1973

 8. Februar 1930 in Neuruppin; † 3. Januar 2011 in Berlin




Edit:


Just fiel es mir wieder ein.


Die gestrige Gute-Nacht-Geschichte für die Rüben war

"Brüderchen Vierbein"


von Eva Strittmatter


aus diesem (Lieblings-)Buch:







Kommentare:

  1. Das ist eines meiner liebsten Gedichte, schon immer.
    Eva Strittmatter wird in ihren Werken weiterleben. Wer so schöne Wortwerke schuf, wird nicht vergessen werden.

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  2. Dieses Gedicht habe ich zu meinem Vordiplom in der Vertonung von Jürgen Golle gesungen. Nur Gesang, kein Instrument - sehr berührend...

    Definitiv ein großer Verlust!

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