Freitag, 23. September 2011

Liebeserklärung

In Halle an der Saale bin ich mal ein Jahr lang zur Schule gegangen.
1992.
Eine Art Zwischenstation.
So richtig wusste ich nicht, was ich da wollte, aber es war eine wichtige Zeit.
Eine sehr wichtige.

Hier habe ich meine ersten Gesangsstunden bekommen - 
bei meiner Lehrerin sogar eine ganze Zeit lang gewohnt - und im Leeeeben nicht geahnt, 
daß ich mit dem Trällern mal meinen Lebensunterhalt verdienen würde.

Für einen Schwester-Bruder-Schwester-Abend habe ich mich heute von Leipzig aus
 in die S Bahn gesetzt und bin nach Halle gefahren.

Und ich war in Gedanken schlagartig 20 Jahre zurück....









Gegen Abend zog es mich in die Kleine Ulrichstrasse.
Ich wollte wissen, ob es ihn noch gibt.
Den Pub, in dem ich damals mit meinen Freunden Abende und Nächte verbracht habe, wo es das beste Frühstück der Stadt gab und wo einem auch die verrücktesten Wünsche erfüllt wurden.

Wo ich den ersten Alkohol meines Lebens getrunken und die erste Kippe geraucht habe.
Wo ich lernte, dass Schwarzbier und ich niemals mehr Freunde werden würden.
Wo wir zu Live-Musik gesungen und getanzt und uns gegenseitig den Liebeskummer getröstet haben.
Wo wir in hitzigsten Diskussionen über Nietzsche, Platon,
Gott und die Welt Zeit und Raum komplett vergaßen.
Wo einige der wichtigsten Freundschaften meines Lebens entstanden sind, die bis heute Bestand haben, obwohl wir inzwischen auf der ganzen Welt verstreut leben und nun Doktor der Physik, Kameramann, Sängerin, Polizistin und Schauspieler geworden sind.

In den Kaffeeschuppen.

Und dass mich der Zufall genau heute, am 22. Geburtstag des Kaffeeschuppens hierher führte,
 war ein ganz besonderes Gefühl.



Dass die wundervolle Jaqueline, die uns schon vor 20 Jahren bediente, auch heute noch dem Laden soviel Seele schenkt, war wohl die schönste Überraschung.


"Unser Tisch"



Für unser Geschwistertreffen haben wir uns das nt-Café ausgeguckt, das Café der Kulturinsel Halle, dessen Intendant lange Zeit Peter Sodann war, der vom Leipziger Tatort.

Ein beeindruckendes Ambiente, freundliche Bedienung (die uns sogar unsere Wünsche die schmale Wendeltreppe nach oben brachte) und sehr gutes Essen.


Bis in die Lampengestaltung der "Keramikabteilung" hinein zieht sich der kreative Geist des Hauses.
Scherenschnitt-Geschichten *ggg*







Die Stadt hat sich verändert.
Ich war erschrocken, erstaunt, überrascht, wehmütig.

Aber ich komme gern wieder. :) 

Kommentare:

  1. ooh, wie lange ist das her?
    Mit Deiner Liebeserklärung hast Du ganz tief in mein Herz getroffen, den Sehnsuchtsnerv angepiekst.
    Kaffeeschuppen, damit verbinde ich auch einen Großteil meiner schönsten Erinnerungen an mein Studium ;-)
    Irgendwie seltsam, davon in einem blog zu lesen...
    (Und wenn wir im nt-cafe, in der "Ente", wie wir es genannt haben, unseren Kaffee geschlürft haben, dann auch nur oben.)

    Ich bekomme gerade Halle-Weh... Danke fürs Teilen.

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  2. Tolle Bilder und schön,daß Du uns an Deinen Erinnerungen teilhaben läßt!

    Ein schönes Wochenende wünscht
    Simone

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  3. Seit ich zum ersten Mal dort war, bin ich verliebt in diese Stadt...und die Saale! Ich mußte jeden Monat beruflich dorthin. Das Büro lag direkt an der Saale. Man fühlte sich dort wie in einem Zauberwald! Danke für die schönen Fotos!
    LG; Heike Gedankenwoelkchen

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  4. ...das ist schon komisch, das man durch einen Ort sich so plötzlich zurückgebeamt fühlt.
    Bei uns gab es in einer früheren Disco dem Lindenkeller, der jetzt nur noch für Konzerte genutzt wird, Disco-Revival-Partys. Wenn dann dort Melissa Etheridge, "Bring me some water" gespielt wurde, fühlte ich schlagartig den Liebeskummer von damal wieder, hmmm, tja!
    Gut das wir jetzt schon was älter sind, grins!
    Einen lieben Gruß
    Monika

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  5. Hach, da verdrück ich doch gleich ein Sehnsuchtstränchen. nt Cafe und das Cafe an der Ecke vom Platz vor den Frankeschen Stiftungen, es hieß bei uns die ganzen 5 Jahre lang nur immer Hörsaal 1. Die Bedienung wußte von jedem Studenten, wie er seinen Kaffee wollte. Der kam ohne Aufforderung, himmlisch. Heimweh!!!!! Hach, war das schön. Nicht ganz so schön fand ich die dreckige rußgeschwängerte Luft, die im Winter in der kleinen Ulrichstraße stand.

    art-und-gut

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  6. so schöne Bilder! Da muß ich mal hin undbedingt!

    sei lieb gegrüßt
    Anja

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