Sonntag, 19. Februar 2012

Es gibt so Dinge...

... die braucht man nicht.

Hinter vorgehaltener Hand erzähle ich - und auch nur, wenn ich gefragt werde - 
daß Rübchen 1 Melodika lernt.
So ein gelbes, sehr lautes Ding mit Schlauch dran.

Für Musikereltern sowas wie der "worst case".
Das "Schlimmste", was passieren kann.
Quasi gleich nach: mein Kind ist unmusikalisch hoch 10.

(Warum? Weil auf nichts geachtet wird, was in meinen Augen als Musikpädagogin das Mindestmaß wäre. Weder auf Körperhaltung, noch darauf, daß das Kind gescheit in den Bauch atmet, noch daß es ein Stück fehlerfrei beherrscht ehe es einen "Toll gemacht!"-Stempel bekommt und das Stück abhaken darf. 
Weil es nur mit der rechten Hand und nur im Fünftonraum lernt.
Kein Fingerübersatz, kein Fingeruntersatz. Linke Hand? Wozu?
Aber...das Schuljahresende naht und damit das "Fröhliche Intermezzo")

Aber:
wir lieben unser Kind und wenn er Melodika lernen will, dann darf er Melodika lernen.
Weil er schon 1 Jahr Klavierunterricht bei mir hatte, ratzt er die Stücke runter wie nix, hat Spaß und muss quasi nicht üben. Nicht ganz in unserem Sinne dieses Nichtüben, aber: Besser als goar nix.
Vor Akkordeon im Anschluss kann ich ihn ja noch bewahren....vielleicht...

Rübchen 2 hat noch hier und da Klavierunterricht und ist aktuell sehr angetan von der 
Star Wars Titelmelodie für Easy Piano. Joa, das wird was. So nach und nach...

Aber er spielt auch gern Fußball. Manchmal. So warmduschermäßig.
Nicht, wenn es regnet oder zu kalt ist auf dem Platz.
Auch nicht 2x in der Woche wie alle anderen. Ihm reicht einmal und dann steht er auch gern im Tor. Rum. Also er steht im Tor rum. Weil Rumrennen zum Aufwärmen, das geht.
Mitrennen und Schießen allerdings, das wäre zu viel.
Aber - er hat viel Spaß dabei und bewegt sich. That's it! :)

Er hat auch nicht wirklich Ahnung von den Regeln. Macht ihm aber nix.
Im Tor muss man die auch eher nicht wissen. Oder?

Er kennt Philipp Lahm und den Schweini.
Und den HSV.

Immerhin.

Mit seinem Verein waren wir heute in der O2 World.






Topspiel der Deutschen Eishockeyliga zwischen dem Tabellenführer und dem Vize.

Berliner Eisbären gegen Ingolstadt.

So ein Spiel dauert 90 Minuten. 3 x 20 Minuten und dazwischen 2 x 15 Minuten Pause.

Wir waren sehr früh da mit unseren 2 Reisebussen.
Draußen war es kalt und drinnen gab es Bier.

Die Fußball-Väter, die ohne ihre Frauen da waren, 
nutzten die Abwesenheit den entspannten Sonntagnachmittag für einen ausgiebigen Spätshoppen.

Gegen die bereits nach dem ersten Spiel-Drittel herüberwehende Fahne des immer enthusiastischer werdenden Vaters links von mir half intensives Atmen durch den über die Nase gezogenen Baumwollschal.
Gut, daß der frisch gewaschen war, so Waschmittelduft hält ne Weile.

Kind 2 klagte im zweiten Drittel plötzlich über heftigste Kopfschmerzen über dem linken Auge und fühlte nur Besserung, wenn er sich quasi quer über mich legen konnte, ich mit der linken Hand seine Stirn streichelnd und mit der rechten sein angefangenes Hot Dog haltend .

So weit, so unbequem.

Der Alkoholpegel der Väter neben, hinter und vor mir stieg mit jeder Spielpause 
bzw. den "Papa! Pipi!"-Unterbrechungen ihrer Zöglinge, 
in denen sie halbliterweise die Ereignislosigkeit des Spiels zu betäuben versuchten.

Kurz vor den letzten 10 Spielminuten wollte Kind 2 endlich ein bisschen Ruhe und wir gingen raus.
Das Spiel endete 2:1 für den Tabellenzweiten und entsprechend maulig verließen die Berliner im großen Strom die Arena.

Der Showdown kam im Bus auf der 25minütigen Heimfahrt, als Kind 2 in meinen Armen vor Kopfweh wimmerte und die besoffenen Väter mitsamt ihrer Brut lautstark all die Wörter gröhlten, die sich meine Rüben zu Hause nicht mal ansatzweise trauen in den Mund zu nehmen.

Der Höhepunkt kam, als Kind 1 dann auch noch anfing zu heulen, 
weil der Mob "Scheiss Hamburg" minutenlang von hinten föhnte.
Da kam mein beschwichtigendes "Die sind betrunken!", 
"Die meinen nur den HSV, nicht uns!" längst nicht mehr an.

Die O2-World ist eindrucksvoll. Durchaus.
Wir saßen toll und die Stimmung war (anfangs) wirklich spaßig und mitreißend.
Es war prima organisiert und lief an sich reibungslos.

Aber der Rest... *seufz*

Kommentare:

  1. Da musste ich doch erst mal Wikipedia bemühen um rauszukriegen, was eine Melodika ist. Ich kann dir das gut nachempfinden, als Berufsmusikereltern gibt es so ein paar "No-Go-s". Im Osten gabs übrigens die Triola, die hatte ich auch als Kind und es ist odhc was aus mir geworden. ;-)

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    1. Danke, Anna. Ich hab einen Link untergelegt. Ich musste letztes Jahr auch erst googlen, was genau das ist. :)
      Triola kenn ich übrigens auch. Weiß mit bunten Tasten. :)

      LG, Sandra

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  2. Au weia,ich hoffe Ihr habt Euch zu Hause wieder erholt von diesem Ausflug.
    Trotzdem habe ich gelacht beim Lesen Deines Berichts.
    Du hast ganz recht,es gibt Dinge,die muß man nicht haben! ;o)

    Ganz liebe Grüße
    Simone

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    1. Simone, inzwischen kann ich auch drüber schmunzeln oder die Augen verdrehen, irgendwie so.
      Manche Dinge sind eben so wie sie sind und - ich hätte es mir ja EIGENTLICH denken können...Dorfverein und so. *gg* ;)

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  3. Bein deinem Bericht über das Fußballinteresse deines Sohnes musste ich grinsen. Mein Sohn spielt kein Fußball denn da könnte man sich weh tun... seid einem Jahr trainiert er hart in der Laufschule um Eishockey-Spieler zu werden ;)

    LG Sani

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    1. *kicher* Wie witzig! Wir hatten auch Fußball, dann(Feld)Hockey, dann Basketball und jetzt halt wieder Fußball. :)

      Bisher war er noch bei keinem Turnier dabei und hat auch nicht wirklich Interesse dran. Ein bisschen vielleicht.
      Aber dafür müsste er doch 2x in der Woche gehen und das wiederum ist ihm zuviel "Stress", wie er sagt. ;)

      LG, Sandra

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  4. Ja, so sind sie die Dinge, die man nicht braucht.

    Ohje. das hört sich nach einem Horrorausflug an, aber ihr habt's überlebt und könnt später wahrscheinlich drüber lachen.

    Das hoffe ich auch von unserem bisher sehr bescheidenen Februar 2012 behaupten zu dürfen.

    Liebe Grüße
    Barbara

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    1. Konnten wir am Abend schon. So ein bisschen. Die Ossis. *tätschel* So in der Art... :)
      Alles wird besser.
      Ab Dienstag wieder Stuggi. Zeit?

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  5. Ja, ja, Männer im Rudel und dann auch noch Alkohol. Schlimm finde ich immer nur, wenn die Kinder dabei sind. Da ich ja meist die einzige Frau bin, sorge ich dann nicht nur für meine Kinder...
    Melodika finde ich übrigens auch ganz schön strange, aber besser als nichts. Viele Grüße, Dörthe

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    1. *lach* Dörthe, ja, wehe, wenn sie losgelassen.
      Die haben sich auch gedacht: n paar Frauen sind ja dabei, die werden schon... ;)

      Melodika IST strange und ich danke dem Herrn, wenn dieses Instrument beim Auktionshaus landen darf. :D

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  6. Danke für den Lach Flash am Abend... schön das es einem nicht alleine so geht.
    Also Wir lieben unsere Kinder !!!!

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  7. Was hast du denn gegen ein Akkordeon? Also ich habe dieses Instrument in der Musikschule (in der richtigen, nicht in der gelben ...) gelernt. Klar, mit Liedern im Fünftonraum sowie dem Grund- und Dur-Bass wird auch dort begonnen, aber dann wird der Tonraum natürlich erweitert, auch zur Zwei- und Mehrstimmigkeit. Gleichzeitig vergrößern sich auch die Möglichkeiten der linken Hand, indem Moll-, Septimen- und verminderte Sept-Akkorde hinzukommen und auch Terz- und Quint-Wechsel-Bässe gelernt werden. Das Ziel ist das polyphonische Spiel mit beiden Händen (z. B. Inventionen von Bach) und sogar freie Improvisation und Jazzharmonik.
    Also, ich möchte mal eine Lanze für dieses vielseitige Instrument brechen, welches - richtig beherrscht - so gar nichts mit Volksmusik und Co. zu tun hat.
    Grüße, Ulrike.

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    1. Hallo Ulrike,

      grundsätzlich gar nichts!
      Wir hören hier auch ab und an Piazolla etc., das finden wir alle sehr schön. :)

      Und gäbe es im Ort eine andere (VdM-)Musikschule - auch kein Thema.

      Hier bietet das aber nur die gelbe an und dagegen habe ich massivst etwas.
      1.gegen Suzuki und 2. gegen die pädagogisch mäßig begabte und äußerst kommunikationsunwillige Lehrkraft. :(

      Leider ist es aus beruflichen Gründen organisatorisch nicht möglich, eine weiter entfernte Musikschule aufzusuchen.

      Somit bleibt uns das an Privatlehrern, was im Ort ist. Und das ist für unser Dorf viel (Klavier, Geige, Cello, Gitarre,Trompete,Schlagzeug)

      Kind schwankt zwischen Klavier und Schlagzeug und ein bisschen hin zu Akkordeon, aber da keiner aus seiner Gruppe bei der "gelben" weitermachen wird...

      Ich habe 2 erwachsene Klavierschülerinnen, die vom Akkordeon kommen.
      Die haben was drauf und kommen auf dem Klavier wahnsinnig schnell voran.
      Nur war ihr Unterricht eher nicht ganz so "zielführend", wie Du ihn beschrieben hast.
      Daher der Wechsel zum anderen Instrument. ;)

      LG, Sandra

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    2. Alles klar, die gelbe ist echt unterirdisch ... Dann wäre ich für Trompete ;-)

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  8. Die Gelbe ist ein übler, sektenartiger Verein mit größtenteils musikalisch/pädagogisch völlig ahnungslosen 'Musiklehrern'. Finger weg!!!

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