Sonntag, 20. Mai 2012

Santiago de Chile und Caracas

Die letzten beiden Stationen der langen Reise.

In beiden Städten werden wir von den Deutschen Botschaftern empfangen.

Es gibt die üblíchen Reden, Lobesbekundungen, Pressefotos und : 
gutes Essen, auf das sich - zumindest in Caracas - 
ein Teil der Meute schon vor Ende der Botschafterrede gestürzt hat. 
Ich natürlich auch.


 Santiago de Chile










Caracas

Diese Stadt, die neben Bogotá (Platz 8) mit Platz 3 die Liste der 10 gefährlichsten Städte der Welt anführt, hat mir am deutlichsten vor Augen gebracht, wie paradox diese Reise ist.
Wir residieren in 4-5 Sterne-Hotels, verdienen in den 3 Wochen das 10fache eines hier landesüblichen Monatslohns und von den 4 Millionen Menschen, von denen die meisten in den elenden Barrios (in Brasilien Favelas) hausen, in ihren selbst an die Steilhänge gebauten Hütten, ohne Wasser und Strom, (über)leben viele nur von dem, was sie anderen klauen oder durch Drogenhandel.








Kinder von hier haben keine Chance, wenn ihnen keine gegeben wird.

Ein großer Chancengeber ist José Abreu.

Er hat in Caracas ein Musikschulsystem aufgebaut, wie es weltweit kein Vergleichbares gibt.
Kinder aus den Slums können 6 Tage die Woche kostenlosen Musikunterricht bekommen, sie kommen in eine gewaltfreie Umgebung, bekommen viel Zuwendung und größtmögliche Hilfe weit über den Musikunterricht hinaus.

"El Sistema" - wie es kurz genannt wird, 
hat trotz vorrangig sozialer Ausrichtung herausragende Musiker hervorgebracht.
Der wohl bekannteste ist Gustavo Dudamel.


Mitten in die Slums wurde vor 5 Jahren ein großes Musikzentrum gebaut.
Es beherbergt unzählige Übe- und Unterrichtsräume, 
Probesäle für viele Chöre und Orchester der Fundation und 2 Konzertsäle.

Im großen Konzertsaal haben wir gastiert.



Durch die gläsernen Türen der Unterrichtszimmer konnten wir teilhaben an der großartigen Arbeit, 
die dort geleistet wird. 


Vor dem Abflug haben wir in der Hotelanlage noch ein bisschen Sonne getankt, bevor es zum Flughafen ging. (Der Weg allerdings führte über die Berge, weil just an diesem Tag ein 3 Wochen andauernder Krieg zwischen Gefängnisinsassen beendet wurde und Gefangene bzw. deren Angehörige schießend auf der Flughafen-Autobahn unterwegs waren...)



Fast zu Hause.

Danke an alle Leser, die an dieser Reise "teilgenommen" haben.
Es hat großen Spaß gemacht. :)

Wenn der Jetlag überwunden ist, darf auch wieder etwas genäht werden. :))))





Kommentare:

  1. WoW
    was für eine Reise und was für Eindrücke!!! Ich glaube ich bräuchte mind. 3Wochen um das alles zu verarbeiten...
    Schön das Du wieder da bist :o)))
    Ganz liebe Grüße
    scharly

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  2. Ich bin froh, dass Du gesund wieder gekommen bist!

    Und möchte gerne noch mehr erfahren. :)

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  3. Vielen Dank fürs Mitnehmen! Das waren sehr interessante und schöne Einblicke.
    Schönen Sonntag noch!

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  4. Vielen Dank an dich, dass du uns an dieser Reise hast teilhaben lassen!
    Doro

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  5. Tolle Eindrücke. Da wird einem beim Lesen ja schon schwindelig, so dass es live und in Farbe einfach ein kaum zu verdauendes Erlebnis gewesen sein muss. Wahnsinn, da wäre ich doch gerne Mäuschen gewesen.
    LG Julia

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  6. Hihi ... steht jetzt neben Frau Merkel auch ein Foto von dir? ;-)

    Beeindruckende Impressionen! Ich habe mich gefragt, wer das Publikum in euren Konzerten ist. Du schreibst ja, dass die meisten Menschen dort von großer Armut betroffen sind. Was kommen da dann so für Leute zu euren Aufführungen?

    Eine tolle Tournee!

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  7. lieben dank für´s "anfüttern"-in einem monat geht unser flieger richtung bolivien!!!

    dort werden wir sehr wahrscheinlich auf Ruben Dario treffen, der dort ebenso ein projekt ins leben gerufen hat( und passenderweise hat der eine meiner jungs letzte woche in der schule eine dokumentation über "El Sistema" angschaut). ich drück´ uns so die daumen.


    ich hoffe dein jetlag bleibt nicht mehr allzulange!

    viele grüße

    barbara

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  8. wir sind wieder zurück aus bolivien. und auch wenn der übungsraum für das orchester von ruben dario(ihn haben wir nicht getroffen, aber einen wunderbaren stellvetreter, der so liebevoll über die kinder und ihr engagement erzählte) nicht annähernd so aussah: dieser augenblick der so konzentrierten und voller inbrunst musizierenden und vor stolz auf ihre instrumente platzenden kindern-das war so tief und aufwühlend.

    dann wieder auf die straßen zu treten und die verhältnisse zu sehen in denen diese kinder wohnen- das war schwer auszuhalten. und zeigte so deutlich: es geht uns so so gut.

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