Dienstag, 20. Januar 2015

Gleich zwei Geburtstage

Am vergangenen Samstag habe ich meinen Geburtstag gefeiert. 



Der Herzbube hat die aus Spaß gekauften Kerzen vom Vorjahr genommen und sie mir nochmal auf den Geburtstagskuchen gesteckt. 
Der Charmeur. :)



Wir frühstückten spät und ausgiebig und machten mit Schwester und Schwager bei strahlendem Sonnenschein und trockener Winterkälte einen schönen Ausflug zu zwei sehenswerten Ausflugszielen ganz nah an Detmold: dem großen Hermannsdenkmal - das ich von unserem Balkon sehen kann - und zu den Externsteinen, überaus beeindruckenden Felsformationen mitten im Wald.





Das Besondere an diesen Felsen ist nicht nur ihre bloße Existenz an einem Ort, an dem man sie nicht vermutet, sondern auch ein Relief, das Wissenschaftlern jahrhundertelang und sogar einst dem großen Goethe Rätsel aufgab. 
Vermutlich entstand es wohl im 9. Jahrhundert n. Chr.

Ein Teil des Reliefs zeigt eine biblische Szene.




Ich spreche hier auf diesem Blog fast nie über Gott und Glauben. 
In einen Nähblog gehörte es für mich auch nicht wirklich hin.

Es ist im Detail dann doch privat.

Eine etwas ausführlichere Ausnahme mache ich heute, denn dieses Wochenende war doch sehr sehr besonders.

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(Wer daran kein Interesse hat, der hat jetzt die Möglichkeit das Browserfenster zu schliessen. :) )

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Auf diesem Relief also sieht man eine biblische Szene, in der Nikodemus - ein Jünger Jesu - mithilft, Jesus vom Kreuz abzunehmen, der dort gekreuzigt wurde und starb.

Vor 24 Jahren bekam ich zum Geburtstag eine CD mit Musik von Johannes Nitsch geschenkt. Sie hieß "Begegnungen". Auf dieser CD hat mich ein Stück besonders berührt. Es hieß "Nikodemus". Den Text kann ich bis heute mitsingen.
Es ist heute ganz und gar nicht mehr die Art Musik, die ich höre, aber damals ging mir dieses Stück musikalisch und inhaltlich sehr nah.

Über Nikodemus weiß man nur sehr wenig. In der Bibel steht, dass er ein sehr kluger Mensch war, mit wichtigen Ämtern, ein Mann, den viele um Rat fragten.
Dann begegnet Nikodemus Jesus und ist fasziniert von allem, was er tut und sagt und möchte von ihm lernen. Er hat viele Fragen.
Noch bevor er überhaupt eine seiner Fragen stellen kann, spricht Jesus zu ihm über den Glauben und Geburt, neu geboren zu werden und einiges anderes.

Dieses Relief zu sehen hat mich bei unserem Spaziergang ganz besonders fasziniert, denn am Tag darauf habe ich mich taufen lassen.

Ein viele Jahre gehegter Herzenswunsch, den verschiedene Umstände haben lange nicht zustande kommen lassen. Im Nachklang wird mir allerdings klar: kein Zeitpunkt hätte passender sein können als der Jetzige.




Von meiner Taufe hatte ich ganz klare Vorstellungen: 

Ich selbst bestimme Zeit und Ort. 
Ich suche den Pastor oder die Pastorin aus, der/die mich tauft. 
Ich wähle die Paten. 
Ich plane den Ablauf. 
Ich entscheide, mit wem ich diesen persönlichen Moment teile.

Meine Taufe am Sonntag war eine klare, sehr bewusste Entscheidung. 
Ich habe entschieden, dass ich das jetzt und auf diese Art und Weise so möchte. 
Niemand hat mich gedrängt oder bekehrt, niemand hat mich überredet, überzeugen wollen oder es von mir erwartet.

Wer schon länger mitliest, weiß, es ist in den vergangenen Jahren irre viel passiert, was mein Leben und das Leben der Rüben ziemlich durcheinander brachte. 

„Denn Weisheit wird in dein Herz eingehen und Erkenntnis wird deiner Seele lieblich sein. Besonnenheit wird dich bewahren und Einsicht dich behüten.“ Sprüche 2:10-11

Meinen Taufspruch weiss ich seit 20 Jahren. Auch ihn habe ich ausgesucht, weil er für mich damals wie heute große Bedeutung hat.

Getauft wurde ich in einer wunderschönen Kirche, eine gute halbe Stunde Autofahrt von Detmold. 
Evangelisch-reformiert. Das war mein Wunsch.
Reformiert heißt, sie ist schlicht und auf das Wesentlichste reduziert. 
Es gibt keinen Altar, keine goldgerahmten Bilder, keinerlei Symbolik.
Dinge, die ich auch nicht brauche, um eine Vorstellung von Gott zu haben. 



Der Taufgottesdienst fand ganz allein für uns statt. Nur wir. Ohne weitere Zuschauer. 
So wollte ich es. Konzentriert auf das Wesentliche.
Jeder Moment war sehr bewegend und ich werde diesen Tag nie mehr im Leben vergessen.

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Auch weiterhin bleibt dies vordergründig ein Nähblog. Aber ich erlaube ein paar wenige Ausflüge rechts und links über den Zuschneidetisch. :) 





Kommentare:

  1. Oh wie schön! Danke fürs Aufschreiben!

    Ich freue mich mit Dir! <3

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  2. Herzlichen Glückwunsch! Was für eine wunderschöne Taufkirche, und was für ein bewegendes Wochenende. Ich wünsche Dir (als bisher stille Mitleserin) auf Deinem Weg alles Gute!

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    1. Hab vielen Dank, liebe Uta. Die Schönheit und Wärme dieser Kirche war das i-Tüpfelchen zu meinem Entschluss. Danke für Dein Lesen und Deine Worte. :)

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  3. Ich habe es gerade erst gelesen, deswegen kommt dieser Kommentar so spät. Es hat mich sehr bewegt, was Du über Deine Taufe geschrieben hast. Ich habe mich auch erst als Erwachsene taufen lassen, als ich eine Gemeinde und einen Pfarrer und einen Paten (meinen jetzigen Mann) gefunden hatte, wo ich mir das vorstellen konnte. Es ist ein ganz besonderer Schritt, vor allem wenn man ihn als Erwachsene so bewusst geht. Das Foto von der Taufkirche gefällt mir sehr gut, es hat so eine warme Atmosphäre.
    Ich wünsche Dir Gottes reichen Segen für alle Wege, die das Leben noch so für Dich und Deine Lieben bereit hält.

    Liebe Grüße,
    Karen

    PS: auch wenn ich hier selten kommentiere, denke ich doch eigentlich jeden Tag an Sewbeedoo - also sozusagen an Dich - denn ich habe vor Jahren bei Dir eine Kalenderhülle gekauft, die ich jedes Jahr um meinen Tagebuchkalender mache: "Meine Zeit steht in Deinen Händen".

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    1. Liebe Karen! Wie sehr ich mich doch an genau diese Hülle erinnere... Danke für Deine Worte und Deine Wünsche. Sie bedeuten mir viel. Beste Grüße! Sandra

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