Freitag, 20. Februar 2015

Häkeln, Prokrastination und Panik

Die Ferien sind um, der Alltag hat uns alle längst wieder. 

Am letzten Ferienwochenende haben die Rüben und ich unsere Lieblingsfreunde mit Tochterkind in Hamburg besucht.
Eine Freundschaft, entstanden durch den gemeinsamen Geburtsvorbereitungskurs.
Wir haben über Jahre hinweg Urlaube miteinander verbracht, sommers wie winters, Dänemark, Sylt, mehrfach auf dem Darß.



Die Kinder hatten sich gut 1,5 Jahre nicht gesehen und waren trotzdem nach wenigen Minuten bereits gut vertraut miteinander. Alle 3 quetschten sich für die zwei Nächte auf Gästematratzen unter das Hochbett im Mädchenzimmer und daddelten, gackerten und giggelten bis spät in die Nacht. Der Abschied fiel uns schwer.

An diesem Hamburgwochenende habe ich ein neues altes Hobby wiederentdeckt - häkeln.
Am ersten Abend setzte ich mich auf das Freundinsofa, auf dem der Anfang einer Beanie lag. Freundin erklärte, ich häkelte sie fertig. Und durfte sie behalten.


Das bekamen die Rüben mit und wollten auch eine. Mit einer Beanie sieht man nämlich nochmal sehr viel cooler aus als mit bloßer Justin-Biber-Halsverrenk-Frisur. 



Gesagt, Wolle gekauft, getan. Nun bin ich im Handarbeitsfieber.
Bei der Suche nach neuen Häkel- oder Strickherausforderungen (Beanies kann ich ja nun) ging ich hier vor Ort in den Wolleladen meines Vertrauens. Während ich wartete, weil andere Kunden bedient wurden, fiel mein Blick auf ein superschönes riesiges buntes Schultertuch, was dort als Beispiel hing.
Die Verkäuferin erklärte, daß es das sogenannte "Landlust-Tuch" sei, sehr einfach zu stricken, aus einfacher Sockenwolle mit oder ohne Farbverlauf. ("Sockenwolle?" dachte ich, da war doch was - HIER)



Das Tuch wird mit zwei verschieden starken Nadeln gestrickt und geht so unfassbar schnell voran, daß es genau das Richtige für mich ist. Und Sockenwolle habe ich gottlob für Jahrzehnte genug.

Das alles kommt nicht zufällig, denn mit dem Stricken und Häkeln prokrastiniere ich. 



Ich müsste auch jetzt eigentlich über meinen Fachbüchern sitzen, lesen, markieren und meine Skripte fertigbekommen.
In 2 Wochen geht der neue Uni-Job los und ich könnte schon sehr sehr viel weiter sein, wenn da nicht ...

Das könnte zum Problem werden, denn Prokrastination beherrsche ich (leider) absolut meisterhaft.
Weil die Tage so verschieden verlaufen und jede Woche anders ist, kriege ich keinen roten Faden rein.
Ich habe keine Ahnung, wie andere sich disziplinieren. 
Das Handy ist aus, ich habe meinen Arbeitsplatz im Arbeitszimmer, es ist ruhig, wenig Ablenkung, aber ich komme nicht rein in strukturiertes Arbeiten.

Ich habe es auch nie gelernt. Das Abi ging irgendwie auch ohne Lernen, das Studium war durchweg praktisch, nicht theoretisch. Einzelunterrichte, wenig Seminare, wenig wissenschaftlich. Künstlerisch halt. Jedes Lernstudium hätte ich sofort geschmissen.

Und jetzt der neue Job, der aber genau das verlangt. Wissenschaftliches Arbeiten, Struktur, Konzept, nachdenken, niederschreiben, roten Faden, Systematik. 


PANIK!!!

Aufgabenmanagement, Zeitmanagement, Planung, Willenskraft, Zielsetzung, Belohnung - in der Theorie ist mir das alles klar. Und die Umsetzung fällt mir wahnsinnig schwer.

Ich bin "rechtshirnig". Motiviert, aber undiszipliniert. Und sehr sehr langsam. *seufz*





Kommentare:

  1. Bin durch Zufall mal wieder hier rein gestolpert und muss sagen: toll! So soll es sein. Inspiration ist alles. Und das Landlust-Tuch, kann ich nur sagen,durch seine einfachheit, hat suchtpotential. Ich weiß wovon ich rede :-D
    LG
    Angelika

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  2. Wie schön, dass du so eine sinnvolle Prokrastinationsaufgabe gefunden hast! :D Dein Problem kenne ich nur zu gut - bin ich etwa auch rechtshirnig?? Meine To-Do-Liste für das Wochenende ist auf jeden Fall sehr lang. Mal sehen, wie viele Haken morgen Abend stehen...
    Ich hoffe, du kommst noch irgendwie in den Flow für den Job und wünsche dir dann viel Freude an der Arbeit! Du packst das - und wenn es in letzter Minute ist. ;-)

    Lieber Gruß
    Steffi

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