Sonntag, 15. März 2015

Dieses Organisationsding

Irgendwann im letzten Jahr hat sich hierzulande ein erstaunliches Phänomen breitgemacht: Filofaxing. Kennst Du nicht? 

Filofax. Dieses Kalendersystem der Businesspeople aus den Neunzigern. Kurz bevor der PDA kam. (Einen witzigen Film gab es mit James Belushi damals auch.) 


Weil einschlägige Nord-Süd-Discounter und Kaffeeröster alle Frühling wieder buntes Bastelzeug im Sortiment haben, was frau auf Vorrat besser stets im Haus hat, kauft frau Trendfollower sich nun zum Ausleben des Klebefetisch und der Gestaltungssucht diese sündhaft teuren Planer


Neulich trat ich in eine der größten "Filo-Fangruppen" ein. 

Ich wollte verstehen, warum Menschen Kalender sammeln. Sammeln! 
Diese wirklich sehr teuren noch dazu. 

Und ich lernte: mit einem einzigen Kalender ist es nicht getan.

Frau braucht einen Kalender für die eigenen Termine. 
Einen Gartenbestellungsplaner, einen als Reisetagebuch, einen für die Termine der Kinder, einen für die Termine des Gatten und einen für das Hobby, noch einen für die Arbeit oder die Uni, einen nur für Rezepte, einen für den Haushalt (wann die Treppe gewischt werden muss, wann gestaubsaugt, you know?).

Je mehr verschiedene Kalender, desto Status. 




Es werden mit Aufklebern, sorry: "Sticky notes" (es gibt welche mit Wischeimer und Schrubber!) und Washitape dekorierte Wochenseiten gezeigt, bei denen ich mich frage, wohin da noch Eintragungen passen sollen.

Jede Woche bzw. jeder Monat wird thematisch individualisiert, Divider (Trennseiten zwischen den Kategorien eines Ringbuchsystemkalenders), Wochenkalendarien aufwändig gestaltet und ausgedruckt oder via Dropbox für andere zum Download bereitgestellt. 

Je detailverliebter, desto mehr Likes.




Sie heißen auch nicht einfach "Kalender". Sie heißen Gillio Amica und Midori Passport in brown oder Finsbury. Sie sind bunt oder pink oder gülden oder gar aus echtem Leder und kosten in vernünftiger Größe und Ausstattung nicht unter 80 Euro (online evtl. weniger).


Nunja.

Ich habe auch einen Ringbuch-Terminplaner. Gekauft 1994 bei Karstadt in Dessau für 39 D-Mark. 



Über 20 Jahre alt, abgegriffen und voller Geschichten. 

Er hat mich durch das gesamte Studium und meine erste Ehe begleitet. Alle Jahrgänge habe ich aufbewahrt und in manchen sentimentalen Minuten lese ich darin, was 1998 in meinem Leben so passiert ist. So ganz ohne bunt.

Ich habe ihm 2010 eine Hülle genäht und bestickt, ihn sehr geliebt und auch sehr gebraucht. 

Aber er verschaffte mir nie einen wirklich guten Überblick über das Jahr, die Woche oder den Monat. Notizen, die ich in einer anderen Kategorie machte, vergaß ich, wenn sie nicht direkt im Wochentag standen. Das totale Chaos und für mich nicht mehr passend.

Mit neuem Job und damit noch mehr Organisationsfaktoren und der Aussicht auf den kommenden Sommer mit allen Terminen und zusätzlichen To-Do's für die Rüben musste etwas her, was mir auf einer Seite mehr Überblick und richtig viel Platz für Notizen verschafft.

So zog ich neulich mit dem Herzbuben los und kaufte einen schlichten (und um 50% reduzierten, weil das Jahr doch schon längst angefangen hatte) Leuchtturm-Kalender A5 für 7 Euro.



Eine Woche, eine Seite. Rechts daneben eine ganze Seite blanko für alle zu erledigenden Dinge der Woche.


Sehr schlicht, extrem übersichtlich. 

So, wie es sich in meinen Augen auch am besten lebt.




Noch vor Jahren kreisten meine Gedanken unentwegt um die effektive Nutzung von Zeit. 

Wieviele Aufgaben kann ich im immer kleiner werdenden Zeitfenster erledigen?

Mehrere Jobs parallel, Beziehung, Kinder, Reisen, soziales Leben, Hobbies, Terminorganisation für 5 Personen.


Oft genug habe ich die Übersicht verloren, blieben Dinge liegen, Beziehungen auf der Strecke, das soziale Leben war bis auf ohnehin regelmäßige Begegnungen auf ein nie dagewesenes Minimum geschrumpft.


Inzwischen ist mein Leben deutlich entschlackt und hat eine andere Richtung genommen.

Die Prioritäten sind neu abgesteckt: Familie, Freunde, Beruf. In DER Reihenfolge.

Im Ausblick auf den anstehenden Umzug in das neue Haus habe ich auch auf anderen Ebenen angefangen umzudenken.


Während der letzten Monate habe ich bereits viel Zeug verkauft oder entsorgt: Bücher, Schmuck, Küchenutensilien, Schuhe (!!!!!!!), Handtaschen (!!!), Klamotten (Wer braucht 4 Wintermäntel???).

Es gibt noch etliches Potential und ich werde mich bis August von noch sehr viel mehr Dingen trennen.

In Sachen Kosmetik habe ich mir zum Beispiel zu Beginn des Jahres zur Regel gemacht, erst alles aufzubrauchen, ehe Neues gekauft wird. (Wer braucht 20 verschiedene Nagellacke???)


Vielleicht ist diese Filofax-Hype schon wieder der Gegentrend zu diesem Weniger-ist-mehr-Entschleunigungs-Lifestyle, der ja als Trend auch schnell wieder verpuffte?

Ich hätte da ja eine Idee:


Der Herzbube und ich nutzen gerne Post-its. Vor allem für kleine Nachrichten, wenn einer verreist und nicht vor dem anderen wieder nach Hause kommt.







Vielleicht können all diese bunten Tapes und Sticky notes, Aufkleber, bunten Papiere und  Post-its auch einen ganz anderen Zweck erfüllen als in Kalender verklebt zu werden?

Den Liebsten eine Nachricht hinterlassen zum Beispiel. 


Wann hast Du Deinem Mann zuletzt einen schönen Arbeitstag gewünscht? Oder eine gute Reise? Oder dem Kind viel Erfolg bei der Kurzkontrolle oder bei der Prüfung oder dem neuen Wochenbeginn?


Mit Liebe dürfen wir sooooooooo verschwenderisch sein! :) 


Morgen ist Montag. Eine super Gelegenheit. :)



PS: Übrigens ist DAS HIER eine ganz interessante Strategie.

1 Kommentar:

  1. Und ich dachte schon, ich wäre die einzige, die schlicht und einfach ein in die Jahre gekommenes Filofax besitzt (meines ist schwarz - zeitlos ;-)) und darin Termine und andere merkenswerte Dinge notiert... Ich könnte mir ja noch vorstellen, die Trennblätter mal aufzuhübschen, denn die stammen auch noch original aus dem letzten Jahrtausend und sind nur mit Nummern versehen, aber für noch mehr Details fehlt mir die Zeit und die Lust. Also wandert der bunte Dekokram eher in die Fotoalben. Unsere "Sticky Notes" sind sowieso eher un-trendy - Arzthaushalt eben.

    Aber ich kann Dir sagen, wer 20 Sorten Nagellack braucht! Meine 13-jährige Tochter!!! Sie kann sich gar nicht mit meinen geliebten Konzept "erst neu kaufen, wenn aufgebraucht" anfreunden ;-)

    Liebe Grüße,
    Karen

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