Mittwoch, 6. Januar 2016

Entschleunigung

Wir trinken Kaffee und Kakao. Der Herzbube läuft noch schnell fünf Häuser weiter und stibitzt aus Mutterns Keksvorrat eine bunt gemischte Dose für uns. Hmmmm.

Die Rüben sind wieder da nach einer Papawoche mit wohl ganz viel Trallala in Berlin. 

Alle Weihnachtskerzen verteilt im Raum werden noch ein paar letzte Runden lang angezündet. Der Baum leuchtet so warm und heimelig - hach, könnte er doch für immer dort stehen bleiben...


Wir sitzen zusammen und lesen, spielen, stricken, gucken Handyfotos an. Die Rüben erzählen viel aus der letzten Woche und kuscheln sich unentwegt an mich mit einem tiefen Atemstoß.
Sie hatten Spaß, sagen sie. Und dass sie sich auf dem Rückweg richtig doll auf Zuhause und uns und ganz viel "chillen" gefreut haben. 




Der letzte Ferientag. Morgen geht das neue Jahr mit allem Alltag wieder los.
Irgendwie bin ich noch gar nicht bereit. Wie jedes Jahr aufs Neue möchte ich diese "Zwischentage" festhalten. Die Tage vor und nach Silvester. Diese Stille und das Ausruhen. 



Ein paar Jahre lang habe ich Listen geschrieben, was ich mir für das frische neue Jahr vornehme.
Das tue ich inzwischen nicht mehr. Leben ist doch das, was passiert, während wir Pläne machen und Listen schreiben.

*****



Unser Hausbau stockt nun doch seit Ende November. Die frisch eingebaute Luft-Wärmepumpe ist kaputtgegangen. Grmpf. Sie wurde Anfang Dezember von der Hausbaufirma provisorisch bei Nachbars Strom angeklemmt, weil unsere Hausanschlüsse noch nicht gelegt werden konnten. Im Provisorium aber fiel sie ständig aus und hat nun einen irreparablen Schaden von ca. 3000€ erlitten. 



Schuld war letztlich wohl der Elektriker, der sowohl ein falsches Kabel (Feuchtraumkabel quer über die Anwohnerstrasse. Wie schlau!) verlegte, als auch die Phasen der Wärmepumpe irgendwie wohl falsch anschloss. Das muss er jetzt nur noch einsehen und seiner Berufshaftpflicht melden.

Nächste Woche kommen erstmal die längst ersehnten Hausanschlüsse für Strom und Wasser, so dass wir Nachbars Strom nicht mehr brauchen werden.

Dann kann auch endlich der Fliesenleger rein und wir können parallel die inzwischen längst trockenen Wände bearbeiten, abschleifen, grundieren und weiß streichen.

Wie gut, dass mein Semester fast vorbei ist und ich für meine Vorlesungsvorbereitungen nicht mehr so lange Vormittage und Abende am Schreibtisch sitzen muss.
So können wir im Haus viel schaffen und vielleicht Anfang Februar umziehen? Mal sehen.

Wir sind gerade jetzt mit dieser unerwarteten Verzögerung so unendlich dankbar für diese muckelige kleine Wohnung, aus der wir rauskönnen, wann immer wir wollen. 

*****

Meine Weihnachtskarten, die Menschen erreichten, von denen ich seit Jahren nichts mehr las oder hörte, haben für ordentlich überraschte und erfreute Gesichter gesorgt.
Von allen Seiten trudelten Karten und Briefe, Emails, Anrufe und sms ein. Wie schön!

Grundsätzlich bin ich jemand, der lange braucht, ehe Lebensphasen abgeschlossen sind. Schulzeit, Studium 1, Studium 2, 6 Jahre Hamburg, 6 Jahre Randberlin, nun schon über 2 Jahre in Ostwestfalen.

In jedem dieser Abschnitte habe ich Jahre gebraucht, um die Abschnitte davor abschließen zu können. Es war tatsächlich so etwas wie Trauerarbeit. Jedes Mal fiel es mir schwerer einen vertrauten Ort und vertraute Menschen loszulassen.

Und doch habe ich aus jeder Lebensphase ein paar Wegbegleiter, mit denen ich bis heute ganz eng verbunden bin. Von meiner Sandkastenfreundin Ira, die ich nun seit 35 Jahren kenne, bis hin zu meinen Mädels aus Randberlin, die ich so schmerzlichst vermisse.

Und dann sind da diejenigen, mit denen ich einmal viel teilen durfte und zu denen der Kontakt aus den verschiedensten Gründen abbrach.

Sie alle erhielten im Advent von mir die wunderbaren Klappkarten von Ursula Markgraf mit einem persönlichen Gruß und nahezu alle haben mir zurückgeantwortet. Große Freude! 

So beginnt das neue frische 2016 mit ganz viel positivem Feedback. Das darf gern so weitergehen... 

...und gern ein paar Plusgraden mehr. 
Oder halt echten Schnee. 
Aber nur kalt ist doof.








Kommentare:

  1. ...sooo schön geschrieben...
    LG
    Guni

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  2. Man fühlt sich mittendrin bei Euch und es ist alles irgendwie vertraut!
    Schön, daß Du die Zeit auf so tolle Weise genießt und das Beste fûr Deine Seele dabei rausholst!
    Herzliche Grüße von Angela, die der Zufall? Bei Dir vorbeigeschickt hat...

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